Zuerst veröffentlicht in: Sprachenpolitik in Europa (Red.: Detlev Blanke), Interlinguistische Informationen (Berlin), Beiheft 6, Oktober 2001, S. 85-105; hier mit freundlicher Genehmigung des Verfassers; Druckfassung beziehbar über ihn: blanke.gil@snafu.de


 

Detlev Blanke (Berlin)

Plansprachen und europäische Sprachenpolitik
 


1. Ein Tabuthema
2. Plansprachen
3. Plansprachen - uninteressant für die Linguistik ?
4. Eine Plansprache für Europa - in der Fachliteratur
5. Die Esperantisten und Europa
6. Zwischen Multilingualismus und "lingua franca"
  6.1 Multilingualismus
  6.2 Das "lingua franca"-Modell
  6.3 Leitsprachen
  6.4 Relaissprachen
  6.5 Maschinelle Übersetzung
  7. Sprachpolitische Konflikte ?
8. Literatur


1. Ein Tabuthema ?

Die Diskussion über Probleme der europäischen Sprachenpolitik hat sich im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends erheblich intensiviert und hält unvermindert an. Das bezeugen die wachsende Zahl von Kolloquien (zu denen ja auch die in dieser Publikation dokumentierte Veranstaltung zu rechnen wäre) sowie entsprechende Veröffentlichungen. (1) Dabei geht es auch um folgende wichtige Fragen:

1.1 Welche Probleme ergeben sich aus der juristisch deklarierten Gleichberechtigung aller offiziellen Sprachen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in den Organen der EU auf der einen Seite und der in der Praxis konstatierbaren Privilegierung einiger weniger Sprachen, insbesondere Englisch und Französisch, auf der anderen Seite. Diese Fragestellung erhält eine neue Dimension durch die zu erwartende Osterweiterung der Union.

1.2 Wie ist die Position und der Status der Ethnosprachen (2) in den Ländern der EU einzuschätzen und zu prognostizieren, wenn man bedenkt, dass deren Rolle - u.a. als Wissenschaftssprache (Ammon 1998) - auf Grund der Dominanz des Englischen im Schwinden begriffen ist?

1.3 Welche Massnahmen sind erforderlich, um den Multilingualismus der Union zu erhalten und gleichzeitig zu sichern, dass die Union effektiv, ökonomisch und demokratisch kommuniziert ? Hierbei muss man zwischen den Kommunikationsbedürfnissen der in der Regel mehrsprachig ausgebildeten Angestellten der EU und denen der Bürger der EU-Staaten unterscheiden. Die aufgeworfenen Fragen sind politisch brisant und berühren Probleme der Machtpolitik.

Da Sprachenpolitik (3) immer mit Machtpolitik verbunden ist, wird die Thematik in den offiziellen EU-Gremien weitestgehend tabuisiert. Und es gibt auf diese Fragen bisher noch keine befriedigenden Antworten, obgleich die sich vollziehende Entwicklung der EU im Inneren und ihre Erweiterung nach aussen immer drängender Antworten erfordert.

2. Plansprachen

In der Diskussion über verschiedene Modelle, auf die ich unten noch genauer eingehen werde, spielt gelegentlich auch die Frage eine Rolle, ob der Einsatz einer sogen. "künstlichen" Welthilfssprache (Universalsprache) als lingua franca  in Europa sinnvoll sein könnte. Der interlinguistische Terminus (4) für eine Sprache, die zur Erleichterung der internationalen Kommunikation geschaffen wurde, ist Plansprache.  Er wurde erstmalig 1931 vom Begründer der Terminologiewissenschaft, Eugen Wüster, verwendet (Wüster 1931/1970), u.a. auch darum, weil die gebräuchlichen Bezeichnungen "Kunst sprache", (Welt)-Hilfs sprache, 'synthetische',  'konstruierte'  Sprache u.ä. irreführende Vorstellungen assoziieren, die es erschweren, das Wesen dieser Sprachen zu erfassen. Da hier nicht der geeignete Ort ist, das Wesen von Plansprachen, ihre Typologie, ihre Funktion und ihre reale Praxis genauer darzustellen, sei auf die relevante Fachliteratur verwiesen. (5) Es sei aber kurz zusammengefasst:
Bei den Versuchen, ein internationales Verständigungsmittel zu schaffen, geht es um einen uralten Traum der Menschheit, nämlich quasi in die Zeit vor Babel zurückzukehren und der Menschheit die Verständigung - in doppeltem Sinne - zu erleichtern.
Dabei spielten vor allem drei Motive eine wichtige Rolle:

Zum einen ging es darum, durch die Überwindung der Sprachbarrieren zur Harmonisierung der interethnischen Beziehungen  beizutragen. Zum anderen wollte man die internationale Kommunikation durch eine neutrale  Sprache erleichtern. Und schliesslich war man auf der Suche nach einer "idealen" Sprache  (Eco 1994), die sich durch Vorzüge von den Ethnosprachen unterscheiden sollte (leichte Erlernbarkeit, Beförderung des rationalen Denkens u.ä.). Nicht selten findet man eine Verbindung dieser Hauptmotive.

Die Bemühungen um die Schaffung einer Plansprache werden vermutlich nie aufhören, u.a. auch darum nicht, weil bisher keiner Plansprache der von ihren Anhängern erhoffte Erfolg beschieden war und diese Tatsache von vielen - in Verkennung der politischen Ursachen - auf sprachliche Mängel zurückgeführt wird. Da es bisher keine klaren Kriterien gibt, wie eine "ideale" Plansprache (oder Universalsprache) aussehen müsste, geht die Suche ständig weiter. Das Internet ist hierbei eine Verführung, neue Entwürfe der "Welt" vorzustellen und auf Unterstützung zu hoffen (Becker 2001).
Man kann mit Dulicenko (1990) davon ausgehen, dass es bis zur Gegenwart über Tausend solcher Entwürfe gibt.

Sehr häufig wird jedoch nicht zwischen Plansprachenprojekt  und einer in der Praxis funktionierenden Sprache  unterschieden (6) und die Idee insgesamt als kurios und hoffnungslos abgetan. Das ist allerdings voreilig. Einige Plansprachen haben durchaus, wenn auch in unterschiedlichem Masse und nur für gewisse Zeitabschnitte, in der Praxis Anwendung gefunden bzw. werden noch heute verwendet. Dazu gehören Volapük (1879), Latino sine flexione (1903), Ido (1907), Occidental-Interlingue (1922) und Interlingua (1951). In letzter Zeit hat auch Glosa (seit etwa 1978) von sich reden gemacht. Occidental-Interlingue (in sehr geringem Masse) sowie Ido und Interlingua haben noch heute Anhänger. Allerdings konnte sich nur das Esperanto (1887) in relevantem Masse vom Projekt zur in der Praxis funktionierenden Sprache mit zahlreichen Anwendungsbereichen entwickeln. Es hat heute eine differenzierte Kommunikationsgemeinschaft mit einer entsprechenden Struktur und eigener Kultur, Original- und Übersetzungsliteratur, Veranstaltungen, Radio-Sendungen, künstlerischer und fachsprachlicher Verwendung; es spielt eine gewisse Rolle als Familiensprache; gelegentlich gibt es Unterricht an Schulen und Universitäten. Es ist Objekt von gut dokumentierten Forschungen (7) usw. In letzter Zeit hat besonders Fiedler (1999) auf die beträchtlichen Ausdruckspotenzen des Esperanto hingewiesen.

3. Plansprachen - uninteressant für die Linguistik ?

Nach wie vor ist es unter Linguisten üblich, die Plansprachen und Esperantologie (8) nicht in sprachwissenschaftliche Betrachtungen einzubeziehen. Und wenn die Plansprachen dennoch einmal erwähnt werden, so haben die Verfasser sich oft nicht die Mühe gemacht, Fakten zu berücksichtigen. Das lehrt ein Blick in zahlreiche Übersichtswerke zur Sprachwissenschaft, die in den letzten zwei Jahrzehnten erschienen sind. Natürlich gibt es Ausnahmen (z.B. Haarmann 2001).

Diese Ignoranz ist um so verwunderlicher, als es bereits ausreichend Fachliteratur gibt, die nur zu konsultieren wäre. Auch der Besuch eines Esperanto-Weltkongresses würde eine realistische Vorstellung von der Funktionsfähigkeit einer Plansprache vermitteln. Es gilt aber unter Wissenschaftlern häufig als unseriös, sich mit Plansprachen zu befassen. Die Gründe für diese abstinente Haltung sind vielfältig. Ich möchte nur einige anführen:

3.1 Zum einen scheint gelegentlich nach wie vor - wenn auch oft nur unterschwellig - ein gewisser Sprachdarwinismus zu herrschen, der scheinbar die Vorstellung erschwert, dass eine Plansprache eine natürliche  Sprache sein kann.

3.2 Auch gewissen Mystifizierungen von Sprache begegnet man gelegentlich.. Die jeweilige Sprache sei ein Ausdruck der Seele eines Volkes, oder die unterschiedlichen Sprachen seien unterschiedliche Denk- und Erkenntnisinstrumente im Sinne des übertriebenen Sprachrelativismus von Benjamin Lee Whorf und Edward Sapir.

3.3 Sicherlich spielen auch unrichtige und oft naive Behauptungen mancher überenthusiastischen Anhänger des Esperanto eine abschreckende Rolle, wenn z.B. behauptet wird, ihre Sprache kenne nur 16 Regeln, wäre völlig logisch, komme mit etwa 900 Wurzeln aus und könne in wenigen Wochen erlernt werden.

3.4 Weiterhin wird der Zugang zur Rolle einer Plansprache auch dadurch blockiert, dass die prinzipiell unterschiedlichen Bestimmungen einer Ethnosprache und einer Plansprache vermischt werden. Ethnosprachen haben in der Regel die Funktion, Muttersprache zu sein. Einige von ihnen werden auch als Verständigungsmittel unter Verschiedensprachigen verwendet, sind dann eine lingua franca und verändern sich entsprechend. So ist z.B. das heutige Englisch in seiner Rolle als lingua franca keineswegs identisch mit dem Oxford-English muttersprachlicher Intellektueller. Eine Plansprache wie das Esperanto ist aber nicht als Muttersprache konzipiert.

3.5 Und sicher nicht zuletzt gibt es auch eine Reihe nur psychologisch erklärbarer Vorbehalte und Vorstellungen gegen eine "künstliche" Sprache (Piron 1994).

4. Eine Plansprache für Europa - in der Fachliteratur

Welche Haltung findet man zur möglichen Rolle einer Plansprache, insbesondere des Esperanto, bei Linguisten, die sich mit Fragen einer europäischen Sprachenpolitik befassen ? Ich versuche im folgenden einige Gruppen zu unterscheiden, ohne hier auf das Pro und Contra zu den geäusserten Auffassungen eingehen zu können.

4.1 Am häufigsten ist eine völlige Ignorierung des Problems konstatierbar. Plansprachen werden in der Diskussion nicht erwähnt.

4.2 Die Möglichkeit, eine Plansprache als lingua franca in Europa einzusetzen, wird zwar erwähnt, aber ohne Begründung abgelehnt (z.B. Grin 1999, 148).

4.3 Eine Plansprache wird oft wegen sprachlicher und anderer Mängel abgelehnt. So wird Esperanto als "nicht natürlich gewachsen" als "kalkulierte Sprache" charakterisiert (Wilss 1998, 23), die - nach dem selben Autor - bei grösserem Einsatz in Dialekte zerfallen würde (Wilss 2000, 5). Oder sie würde durch ihre Entwicklung schwieriger (Which language..., 95). Auch wird der Plansprache vorgeworfen, es fehle ihr die kultur-historische Identität (Loehr 1998, 101) bzw. eine nennenswerte Kultur (Wilss 2000, 5). Im Zusammenhang mit den Beziehungen Muttersprache-Kultur-Inidividuum-Identität wird auf vermeintliche Gefahren hingewiesen, die Europa nach Einführung einer Plansprache drohten. Konrad Schröder, der Vorsitzende des Fachverbandes Moderne Fremdsprachen, formuliert z.B.:

"Ausserdem ist es ein Trugschluss zu glauben, Esperanto bilde schon deswegen europäische Kulturen ab, weil sein Wortschatz pêle-mêle den europäischen Kulturen entstamme. Es fehlt die für historisch "gewachsene" Sprachen typische Nähe zur Bezugskultur, und es fehlt auch der systematische Aspekt der sprachlichen Abbildung von Kultur (Ausbildung kulturraumbezogener spezieller Begrifflichkeit, Ausbildung einer entsprechenden Metaphorik usw.). Die Tatsache, dass man beliebige literarische Texte in Esperanto übersetzen kann, ist ebenso wenig ein Beweis für dessen umfassende Ausdrucksmöglichkeiten (schliesslich lässt sich ein Shakespeare-Sonett auch in Zahlenkombinationen übersetzen) wie die Tatsache, dass man eigenständige Lyrik schaffen kann (auch mit sinnlosen Silben lassen sich klangvolle Gedichte bauen, schon Alice in Wonderland bietet einschlägige Muster. Englisch für alle Europäer (und sonst nichts) bringt keine neue europäische Identität, und Esperanto könnte allenfalls das Ausdrucksmittel einer von allen historischen Bezügen abgeschnittenen neuen paneuropäischen Subkultur werden: Ein ungeheuerlicher Bruch (etwa in Gestalt einer ökologischen Katastrophe) müsste vorausgegangen sein. Ob dann allerdings Spracherwerb und Sprachgebrauch noch planbar sind, ist zu bestreiten. Unter den heute in Europa gegebenen Umständen würde sich im übrigen Esperanto, einmal eingeführt, im Kontakt mit den noch vorhandenen historischen Sprachen weiterentwickeln müssen: regionale und soziale Varianten des Esperanto bzw. (angesichts der dogmatischen Statik der Plansprache) Ausprägungen von Esperanto-Patois wären vermutlich die Folge."  (Schröder 1995, 62).

Es ist hier leider nicht der Platz, diese Reflektion interlinguistischer Uninformiertheit zu kommentieren.

Auch wird dem Esperanto gelegentlich die fachsprachliche Eignung abgesprochen (Loehr 1998, 101). Oder bei ihrer Einführung als Europasprache sei die Plansprache im Verhältnis zu anderen Ethnosprachen nicht mehr neutral (Christ 1997, 10). Auch wird auf die Gefahr verweisen, dass durch die Einführung des Latein oder des Esperanto als lingua franca in Europa "der schon jetzt oftmals entrückt erscheinende 'Eurojargon' der institutionellen Kommunikation eher zementiert als durch eine allgemeinverständliche, eurobürgernahe Verwaltungssprache abgelöst werden (kann)" (Born 1994, 216/17).

4.4 Gelegentlich wird der Vorschlag, eine Plansprache zu verwenden, ohne besonderen Kommentar lediglich erwähnt (Seeler 1998, 12; Hoof-Haferkamp 1998, 36; Oksaar 1998, 123, Schlossmacher 1994, 121) Oder es wird einfach konstatiert, dass den verschiedenen Versuchen, eine Plansprache einzuführen, bisher kein Erfolg beschieden war (Spillner 1994, 19).

4.5 Es gibt aber auch Autoren, die sich nicht auf Klischeevorstellungen einlassen, sondern sich die Mühe machen, die Plansprachenproblematik genauer zu erfassen, darzustellen und zu diskutieren. Dazu gehören insbesondere Mattusch (1999) (9) aber auch Arntz (1998, 76ff). Sie kommen, wie auch andere, so z.B. Ammon (1998, 203), Haarmann (1991,13; 1993, 328f; 2001, 115 f), Hagège (1996, 26) und Siguan (2001, 134) zur Auffassung, dass Esperanto für die europäische Kommunikation von Bedeutung sein könnte, aber die politischen Bedingungen für seine Akzeptanz bisher nicht gegeben seien.

4.6 Einige Autoren heben gewisse positive Wirkungen hervor, die mit dem Einsatz einer Plansprache verbunden wären. Sie könnte zum Schutz der Mehrsprachigkeit beitragen (vgl. Simon 1997, 44), eine Kostenersparnis bedeuten (Phillipson 1997, 49) oder auch ein päda-gogisches Mittel zum Erlernen anderer Sprachen sein (Mamadouh 1999, 168).

4.7 Nur selten wird klar und deutlich gesagt, dass es lohnenswert wäre, über eine Plansprache für die EU nachzudenken. Die mögliche Wahl von Esperanto als internationale Sprache wird diskutiert und hervorgehoben, dass sein Einsatz demokratischer und effektiver als das Dolmetschen in und aus viele(n) Sprachen sei und riesige Übersetzungs- und Dolmetschkosten gespart werden könnten. "Diejenigen, die Esperanto sprechen, betrachten die Sprache nicht als 'künstlich', sondern als vielfältiges Kommunikationsinstrument, so gut wie jede andere Sprache, auch in der internationalen Kommunikation" (vgl. Phillipson 1997, 49). Und der Translationsexperte aus der EU Volz führt aus:

"Eine einzige Arbeitssprache wäre aus vielen Gründen eine gute Sache, falls es nicht Englisch wäre, sondern eine rationale, leicht zu erlernende und staatsneutrale Plansprache. Gibt es sie nicht, sollte man den Versuch machen, sie zu schaffen - ähnlich dem metrischen System, das seinerzeit eine Unzahl unterschiedlicher Mass- und Gewichtseinheiten abgelöst hat. Wenn es sie aber schon gibt, so wäre es sicher eine lohnenswerte Aufgabe, das Thema dieser Betrachtung umzuformulieren in 'Plansprache x als einzige Arbeitssprache der EG-Institutionen?'. Diesem Anliegen war am 29. September 1993 ein Seminar mit Experten gewidmet, das von der Hanns-Seidel-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament veranstaltet wurde. Es stand unter dem Motte 'Das Kommunikations- und Sprachenproblem in der Europäischen Gemeinschaft - inwieweit könnte eine Plansprache zu seiner Lösung beitragen ?' Es war einer der wenigen Fälle, dass auf politischer Ebene über die Möglichkeit einer gemeinsamen Verwendung einer inter-ethnischen Sprache nachgedacht wurde."  (Volz 1994, 98/99) (10)

Auch Lötzsch sieht in einer Plansprache eine anzustrebende Lösung, unterstreicht jedoch, dass für dieses Ziel der politische Wille entscheidend wäre und bei einer Einführung des Esperanto begleitende sprachpolitische Massnahmen verhindern müssten, "dass die für jeden neutrale Zweitsprache zur privilegierten Muttersprache einer Elite wird." (Lötzsch 1997, 347). (11)

5. Die Esperantisten und Europa

5.1 Unter den mengenmässig zahlreichsten Vertretern einer Plansprache, den Esperantisten, deren Sprachgemeinschaft über eine weltweit funktionierende Infrastruktur verfügt, und die von manchen Esperantologen als "Quasiethnos" bezeichnet wird (vgl. Melnikov 1992) gibt es im wesentlichen drei Haltungen zur möglichen Rolle ihrer Sprache in der Europäischen Union.

5.1.1 Es werden Illusionen genährt, dass die Einführung des Esperanto alle Kommunikationsprobleme in der EU lösen würde, ohne dass es reale Vorstellung darüber gibt, wie das denn geschehen könnte.

5.1.2 Eine andere Gruppe weiss um die Schwierigkeiten und strebt eine sachliche Diskussion zuerst über Grundfragen der europäischen Kommunikation an und will erst dann den möglichen Platz des Esperanto bestimmen. Diese Gruppe ist sich auch dessen bewusst, dass das Esperanto in mancherlei Hinsicht für eine Rolle als "Eurosprache" noch nicht "fertig" ist - das betrifft in erster Linie die Fachwortschätze - und für eine solche Funktion durch sprachplanerische Massnahmen weiter ausgebaut werden müsste.

5.1.3 Schliesslich hält eine dritte Gruppe die Einführung des Esperanto als lingua franca in Europa für von vornherein illusorisch und beteiligt sich nicht an entsprechenden Bemühungen.

5.2 Von Esperantisten und Esperanto-Organisationen wird eine Menge praktischer Arbeit im Sinne der europäischen Idee geleistet, etwa unter dem Motto "Alle sprechen von Europa - wir sind schon da". (12) Das betrifft die Beförderung von Städtepartnerschaften, Austausch von Jugendgruppen, zahlreiche Veranstaltungen wie Grenztreffen, europäische Esperanto-Kongresse (alle 1-2 Jahre) und einige besondere Aktivitäten im Rahmen des "Europäischen Jahres der Sprachen" (2001), in denen u.a. verschiedensprachige Esperantisten auf "Sprachmessen" ihre Staats- oder Minderheitensprachen als Muttersprachen vorstellen. Sie sind besonders aktiv im Internet. (13)

Eine 1991 gegründete "Arbeitsgruppe zum Sprachenproblem in der Europäischen Union" bemüht sich um ein nüchternes Verhältnis zur Problematik und hat zwei Projekte vorgelegt: das "NEIGHBOUR-Projekt" und das "RELAIS-Projekt".

Die Autoren des NEIGHBOUR-Projekt (14) gehen aus von der propädeutischen (erkenntnisvorbereitenden) Wirkung des Esperanto-Unterrichts für das Erlernen anderer Fremdsprachen. Diese Wirkung gilt für manche Pädagogen als erwiesen (vgl. Frank/Lobin 1998), weist für andere jedoch noch hypothetische Züge auf (Corsetti/La Torre 2001). Daher wird ein europaweites Experiment vorgeschlagen, das diese propädeutische Wirkung überprüfen soll.

Die Autoren des RELAIS-Projekts sind der Meinung, dass der Einsatz des Esperanto als Relaissprache beim Dolmetschen, also als Sprache der Hauptkabine, Dolmetschkosten sparen und ein höheres Mass an Gleichbehandlung der EU-Sprachen bewirken könnte. (15)

6. Zwischen Multilingualismus und "lingua franca"

Im letzten Abschnitt dieses Beitrags wird versucht, eine Übersicht über die wichtigsten Verfahren oder Vorschläge - sowie über einige Elemente davon - zu geben, die in der Europäischen Union praktiziert oder für eine zukünftige Sprachenpolitik diskutiert werden. Diese Übersicht kann nur unvollständig sein, da die Diskussion anhält. Auch ist es hier nicht möglich, die einzelnen Vorschläge auf ihre Wirkungen oder Realisierbarkeit zu diskutieren, gegeneinander abzuwägen oder zu bewerten. Ich werde aber die jeweils diskutierte Rolle einer Plansprache aufzeigen. Im wesentlichen bewegen sich die Vorschläge zwischen den beiden Extremen:

a) Bewahrung der Vielsprachigkeit der EU und eine bestmögliche Sicherung der Gleichbehandlung aller offiziellen Sprachen sowohl als Amtssprachen als auch als Arbeitssprachen,

b) der Einsatz einer lingua franca für die EU, eine Eurosprache neben den Muttersprachen.

Man ist auch bemüht, die beiden Extreme a) und b) einander anzunähern und zu verbinden. Und es gibt viele Übergänge und Zwischenstufen.

6.1 Multilingualismus

Angesichts der dominierenden Rolle des Englischen in der Europäischen Union wird unterstrichen - und das in letzter Zeit immer häufiger und eindringlicher -, dass es zur Erhaltung der Sprachenvielfalt in der EU (Multilingualismus, Plurilingualismus)  keine Alternative gäbe. Das bedeutet erst einmal die laufende Fortschreibung der bisher gültigen Regelungen, wie sie in der "Verordnung Nr. 1/58 zur Regelung der Sprachenfrage" des Rates der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft fixiert wurde. Diese Verordnung gilt nach wie vor. Lediglich der Artikel 1 wurde durch die neu hinzukommenden offiziellen Sprachen der EG (und später der EU) ergänzt. Er lautet zur Zeit:

"Die Amtssprachen und Arbeitssprachen der Organe der Gemeinschaft sind Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch, Schwedisch und Spanisch" (Bruha/Seeler 1998, 159). Das wäre der juristische Aspekt. An der sehr unterschiedlichen Praxis soll nicht gerührt werden.

Übereinstimmend ist man der Auffassung, dass Angebot und Qualität des Fremdsprachenunterrichts wesentlich zu verbessern und zu diversifizieren sei. Das bedeutet u.a. eine Intensivierung und Ausweitung des Fremdsprachenunterrichts . Der Unterricht soll sehr früh im Kindesalter einsetzen und ein ganzes Leben dauern, etwa nach der Formel mehr  Sprachen, früher, intensiver  und ein Leben lang  (vgl. u.a. Oksaar 1998, 123f). In diesem Sinne soll auch das vom Europarat und der Europäische Union gemeinsam ausgerufene "Europäische Jahr der Sprachen 2001" wirken. Es hat das Ziel, in der europäischen Bevölkerung das Verständnis für den sprachlichen Reichtum Europas in seiner Vielfalt zu vertiefen, die Bereitschaft der Bürger für das lebenslange Erlernen von Fremdsprachen zu erhöhen und den Fremdsprachenunterricht in den europäischen Staaten qualitativ und quantitativ wesentlich zu verbessern. (16) Hinsichtlich einer Plansprache gehören hierher die unter 5 erwähnten Vorschläge des propädeutischen "Sprachorientierungsunterrichts", wie sie im NEIGHBOUR-Projekt vorgeschlagen werden. Es gibt einige Varianten, die den Multilingualismus garantieren ihn aber praktikabler gestalten sollen:

6.1.1 Die Sprachenvielfalt könne man am besten durch eine "sprachenteilige Gesellschaft" (Christ 1992) erhalten, wo für unterschiedliche Kommunikationsbedürfnisse (und in verschiedenen Regionen, z.B. in Euroregionen) (17) unterschiedliche fremdsprachliche Kompetenzen in verschiedenen Sprachen vermittelt werden.

6.1.2 Bei der rezeptiven Mehrsprachigkeit (Finkenstaedt/Schröder 1992), die ja in manchen Grenzregionen durchaus Praxis ist, geht es um die Erreichung einer passiven, also beschränkten Sprachkompetenz, die es ermöglicht, das Gehörte in einer Fremdsprache zu verstehen. In einer konkreten Kommunikationssituation unter verschiedensprachigen Bürgern, spricht jeder seine Muttersprache und wird jeweils vom anderen verstanden. Der "polyglotte Dialog" (Posner 1993) ist eine Variante davon.

6.1.3 Um die Dominanz des Englischen einzuschränken, solle Englisch nur als zweite Fremdsprache unterrichtet werden, damit andere Sprachen eine stärkere Berücksichtigung finden können.

6.1.4 Mehr Gleichheit in der Kommunikation könne nach Weydt (1998) dadurch erreicht werden, dass keiner seine Muttersprache benutzt, also jeder eine Fremdsprache (also auch die Engländer) verwendet. Ein solcher Effekt wäre auch durch den Einsatz einer Plansprache erreichbar.

6.1.5 Um die Mehrsprachigkeit zu erhalten und angesichts der Zunahme des Quantums von zu übersetzenden Texten in ständig mehr Sprachen (nicht zuletzt auch unter dem Gesichts-punkt der Osterweiterung) ist man bemüht, die Anfertigung von Übersetzungen effektiver zu gestalten, u.a. durch Textstandardisierungen und den stärkeren Einsatz elektronischer Hilfsmittel (z.B. Terminologiebanken). Auch gehe es darum, das Prinzip der Subsidiarität auszubauen. Das soll u.a. bedeuten, dass nicht alle Texte vom zentralen Übersetzungsdienst in Brüssel übersetzt werden müssen, sondern zunehmend dort, wo sie entstehen bzw. gebraucht werden. Das bedeutet eine gewisse Umverteilung der Übersetzungslasten auf die Mitgliedsstaaten und ihre Regionen (Brackeniers 1993).

6.2 Das "lingua franca"-Modell

Es wird nicht selten darauf hingewiesen, dass eine wirkliche Gleichbehandlung sämtlicher EU-Sprachen ökonomisch und technisch nicht durchsetzbar, und daher auch längst keine Praxis mehr ist. Es gibt daher Forderungen nach einer  europäischen Zweitsprache, nach einer 'lingua franca'.

6.2.1 Das bedeutet für viele 'English only'. Die Forderung nach der Offizialisierung dieser gängigen Praxis wird oft nur verbrämt geäussert, da sie schliesslich Ausdruck einer sprach-imperialistischen Haltung ist. Jedoch Experten aus dem Finanzwesen, der Wirtschaft und Industrie sprechen gelegentlich ganz offen aus, dass es wenig Sinn hätte, sich gegen die Vormachtstellung des Englischen zu stemmen, so z.B. sinngemäss der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, in einem Vortrag mit dem sinnträchtigen Titel "Globalisierung der Wirtschaft vs. Identifikation durch Muttersprache." (18)

6.2.2 Um den Wirkungen der hegemonialen Position des Englischen zu entgehen, werden als lingua franca gelegentlich Sprachen mit geringerem politischen Gewicht vorgeschlagen. So wird z.B. Dänisch erwähnt, "das fast alle noch lernen müssten und das somit die grösste Chancengleichheit böte." (Stratenschulte ( 1999).

6.2.3 Als einzige lingua franca wird gelegentlich auch eine neutrale Sprache diskutiert. Das könnte sein

- das Latein (vgl. Kraus 2000, 156) oder
- eine Plansprache, d.h. in erster Linie Esperanto (vgl. Arntz 1999,66f). (19)

6.3 Leitsprachen

Eine Variante des Konzepts der lingua franca ist das Leitsprachenmodell.  Dabei geht es darum, "English only" oder eine Plansprache zu vermeiden, und, den politischen Wünschen einiger politisch und ökonomisch einflussreicher EU-Staaten Rechnung tragend, einige wenige offizielle Sprachen als Arbeitssprachen zu verwenden. Man will aber nach wie vor an der bisherigen Regelung festhalten, dass alle offiziellen EU-Sprachen auch den Status von Amtssprachen beibehalten sollen. Hierbei gibt es nun einige Spielarten:

6.3.1 Englisch und Französisch sind de facto die aktuellen Leitsprachen der EU, wobei Englisch inzwischen überwiegt und seine Position weiter ausbaut. Es gibt immer wieder Befürworter, die diese Situation juristisch festschreiben möchten, insbesondere angesichts der bevorstehenden Osterweiterung der EU.

6.3.2 Da die erwähnte Regelung in zunehmendem Masse auf den Unwillen in deutschen Regierungskreisen stösst (20), soll Deutsch als dritte Leitsprache einbezogen werden (vgl. Coulmas 1991b, 34f.). Natürlich gibt es auch Forderungen nach Einbeziehung des Spanischen und des Italienischen in diese Gruppe Siguan (2001,181). Und es regt sich Protest aus Ländern, deren Sprachen in diesen Überlegungen nicht berücksichtigt werden.

6.3.3 Das Konzept des "Selektiven Multilingualismus" sieht für einzelne Leitsprachen unterschiedliche Funktionen vor (vgl. Arntz1998, 67f). So unterscheidet z.B. Haarmann (1993, 333) "interne" und "externe" Arbeitssprachen der EU. Interne Arbeitssprachen, die also für die Kommunikation innerhalb der EU verwendet werden könnten, sollten Englisch, Französisch und Deutsch sein. Externe Arbeitssprachen, die für die Kommunikation der EU nach aussen verwendet werden, können ausser den internen Arbeitssprachen auch noch Spanisch und Russisch sein.

6.3.4 Ein Vorschlag, der zwischen dem Modell "English only" und einigen Leitsprachen liegt, aber in der Konsequenz die Dominanz des Englischen nur festigt, ist der "freie Wettbewerb der Kontaktsprachen" (vgl. Christ 1997,10). Der Stärkere siegt, d. h. die einflussreichste Leitsprache. Und das wäre Englisch.

6.3.5 Eine Verbindung des Leitsprachenmodells mit dem Konzept einer Plansprache versucht Bormann. Danach sollen Englisch und Französisch als die Hauptleitsprachen gelten. Quasi als Trost für alle anderen nicht berücksichtigen offiziellen EU-Sprachen soll Esperanto als dritte Leitsprache verwendet werden. (Bormann 1994,111f).

6.4 Relaissprachen

Um die erforderlichen aufwendigen Dolmetschleistungen zu reduzieren und ökonomischer zu gestalten, insbesondere im Europäischen Parlament, wo häufig in allen 11 offiziellen Sprachen der EU gedolmetscht wird, und um auch sogen. "kleinen" Sprachen der EU eine bessere Position zu schaffen, wird das Relaissprache(n)-Modell  diskutiert. Es ist in vielen Sitzungen bereits jetzt verbreitete Praxis, da oft wegen Mangel an entsprechend ausgebildeten Dolmetschern nicht aus allen Sprachen in alle Sprachen gedolmetscht werden kann. Wenn z.B. ein Dolmetscher für das Sprachenpaar Griechisch-Dänisch fehlt, wird der griechische Text nicht direkt ins Dänische übertragen. Er wird aber in jedem Falle ins Englische gedolmetscht und kann dann vom dänischen Dolmetscher aus dem Englischen ins Dänische übertragen werden. Dabei ist das Englische die Relaissprache,  d.h. die Sprache der Hauptkabine.
Hier gibt es folgende Vorschläge:

6.4.1 Die gängige Praxis soll festgeschrieben und ausgeweitet werden: d.h. die Hauptkabinensprache ist Englisch. Es wird aus allen Sprachen ins Englische und aus dem Englischen in alle Sprachen gedolmetscht. Das wären bei 11 offiziellen Sprachen 20 Sprachenpaare. Bei der Ausweitung dieser Praxis würde das bedeuten, dass nur noch Dolmetscher für die Sprachenpaare Ethnosprache x - Englisch bzw. Englisch - Ethnosprache x (21) ausgebildet werden müssten.

6.4.2 Eine andere Variante wäre, eine neutrale Plansprache als Hauptkabinensprache zu wählen. Wie bereits unter 5. erwähnt, ist das das Anliegen des RELAIS-Projekts.

6.4.3 Eine weitere Variante des Relaissprachenmodell besagt, dass aus allen Sprachen ins Englische und Französische gedolmetscht (und auch nur in diese Sprachen übersetzt wird) (Van Hoof-Haferkamp/Kusterer zit. nach Coulmas 1991b, 29 ).

6.5 Maschinelle Übersetzung

Als Ergänzung für die verschiedenen Modelle, aber nicht als Ersatz, insbesondere in der Translationsform Übersetzen, kann die maschinelle Übersetzung verstanden werden. Es wird bisher nur ein geringer Prozentsatz von Texten maschinell "übersetzt", die, sollen sie lesbar und verständlich sein, entweder eine Vor- oder eine Nachredaktion erfordern. Die Rohtexte können aber häufig soviel Inhalt vermitteln, dass entschieden werden kann, ob eine Humanübersetzung ratsam wäre. Das verbreitetste maschinelle Übersetzungssystem in den Organen der EU ist Systran (vgl. Arntz 1968, 69f ; Oksaar 1998, 122).

In diesem Zusammenhang ist das Projekt der niederländischen Software-Firma BSO zu erwähnen, das unter dem Namen "Distributed Language Translation" (DLT) bekannt wurde. Dabei handelt es sich um ein halbautomatisches Übersetzungssystem mit einem nur sehr geringfügig modifizierten Esperanto als Maschinensprache (Interlingua, Brückensprache). Die Ausgangssprache wird bei DLT in Esperanto codiert und in die Zielsprache decodiert. Halbautomatisch darum, da der Eingeber der Ausgangssprache die Qualität der Übersetzung befördert, indem er bei semantischen Problemen Fragen des Systems beantwortet und so die Monosemierung erleichtert. Eine umfangreiche Textdatenbank, die mit den gespeicherten Kontexten die Monosemierung erleichtert, sollte diese Mensch-Maschine-Kommunikation laufend weiter einschränken. Obgleich der Prototyp von DLT funktioniert hat, wurde das Projekt wegen fehlender Sponsoren nicht weiterentwickelt (vgl. Schubert 1996, 29f).

Zwischen den verschiedenen dargestellten Modellen gibt es zahlreiche Übergänge und Varianten, die hier nicht alle aufgeführt werden konnten.

7. Sprachpolitische Konflikte ?

Will man zukünftige Konflikte in Europa vermeiden, so ist die demokratische Gestaltung einer europäischen Sprachenpolitik erforderlich, insbesondere im Rahmen der Europäischen Union. Inwieweit dabei eine Plansprache eine Rolle spielen kann, wird die Zukunft zeigen. Aus linguistischer Sicht besteht für den auch mit der Praxis vertrauten Interlinguisten und Esperantologen kein Zweifel an der vollen Funktionsfähigkeit des Esperanto. Es sind vor allem politische Faktoren, die einen Einsatz befördern oder verhindern könnten. Die politische Brisanz des Sprachenproblems und die Notwendigkeit einer adäquaten Lösung soll zum Schluss noch einmal durch ein treffendes Zitat des bereits erwähnten Anglisten Konrad Schröder unterstrichen werden:

"Man mag jubilieren, dass mit dem Ende der Ost-West-Konfrontation internationale Kriege in Europa unwahrscheinlich geworden sind. Doch die nächsten Kriege sind Bürgerkriege, wenn es nicht gelingt, Europa auch sprachpolitisch, und das heisst: gemäss den kulturellen und sprachpolitischen Identitäten seiner Bürger, zu konsolidieren. Ein sprachenpolitisch unausgewogenes Europa wird stets ein bürgerkriegsanfälliges Europa sein..." (Schröder 1995, 60).

Mögen uns solche Bürgerkriege erspart bleiben.


8. Literatur

AMMON, Ulrich (1998): Ist Deutsch noch internationale Wissenschaftssprache? Englisch auch für die Lehre an den deutschsprachigen Hochschulen. Berlin/New York: de Gruyter, 339 S.

AMMON, Ulrich / MATTHEIR, Klaus J. / NELDE, Peter H. (1991, Hrsg): Schwerpunkt: Status und Funktion der Sprachen in den Institutionen der Europäischen Gemeinschaft. Focus: Status and Function of the Languages in the Political Bodies of the European Community. Thème principal: Statut et fonction des langues dans les organes de la Communauté Européenne. Sociolinguistica. Internationales Jahrbuch für Europäische Soziolinguistik. International Yearbook of European Sociolinguistics. Annuaire International de la Sociolinguistique Européenne. Band 5, TübingenŠ: Niemeyer, 221 S.

AMMON, Ulrich / MATTHEIR, Klaus J. / NELDE, Peter H. (1994, Hrsg.): English only in Europa, in Europe, en Europe ? Sociolinguistica. Internationales Jahrbuch für Europäische Soziolinguistik. International Yearbook of European Sociolinguistics. Annuaire International de la Sociolinguistique Européenne. Band 8, TübingenŠ: Niemeyer, 212 S.

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Anmerkungen:

(1) Vgl. auch die Auswahlbibliographie ab S. 114 [nur in der gedruckten Fassung]

(2) Mit Ethnosprachen sind neben den offiziellen Sprachen von Staaten auch die über 50 Minderheitensprachen Europas sowie die Sprachen der Einwanderer gemeint.

(3) Im Zusammenhang mit der in diesem Heft und in anderen Veröffentlichungen behandelten Thematik, wird sowohl von Sprachpolitik als auch von Sprachenpolitik gesprochen. Ich verstehe unter Sprachpolitik die Politik eines Landes, die auf die Erhaltung und/oder den Ausbau der Position der Muttersprache und von Minderheitensprachen im eigenen Land gerichtet ist (Sprachplanung, Sprachnormung, Sprachkultur). Dazu gehören z.B. die Haltung zur Sprachverwendung (Sprachkultur), ihr Unterricht an den einheimischen Bildungseinrichtungen, aber auch Ortographiereformen, die Entwicklung von Fachwortschätzen und deren Normung u.ä. Sprachenpolitik hingegen ist auf die Position von fremden Sprachen im Lande gerichtet (Unterricht, Förderung o. Unterdrückung), auf die Förderung der Rolle der offiziellen Sprache(n) eines Landes im Ausland und in internationalen Organismen, zu denen neben Organisationen und multinationalen oder transnationalen Gebilden auch z.B. die EU gehört (Sprachverbreitungspolitik).

(4) Über den Gegenstand der Interlinguistik vgl. Blanke 1998, Sakaguchi 1998.

(5) Vgl. u.a. Blanke (1985; 2001), Dulicenko (1990) und Sakaguchi (1998) sowie die dort angegebene Literatur.

(6) Ich habe versucht, den Unterschied zwischen Projekt und Sprache herauszuarbeiten und 28 "Stufen" unterschieden, die sich zwischen einem Schreibtischprojekt und einer Familiensprache befinden (Blanke 2000).

(7) Zur Orientierung in der Fachliteratur vgl. Blanke 2001.

(8) Unter Esperantologie verstehe ich die Wissenschaft, welche das Esperanto erforscht, und zwar mit seinen Quellen, Struktur, Entwicklung, Funktion und Verwendungsbereichen, sowie die Kommunikationsgemeinschaft mit ihrer Geschichte.

(9) Vgl. auch seinen Beitrag in diesem Heft. [Max Hans-Jürgen Mattusch: Sprachenvielfalt - Fluch oder Segen?, S. 16-29]

(10) Ich hatte auf dieser Veranstaltung die Möglichkeit, zum Thema "Internationale Plansprachen - historische Perspektiven und internationaler Stand" zu sprechen. Vgl. auch die veröffentlichten Akten (Regozini 1993).

(11) Hierzu vgl. auch die Kapitel bei Skutnabb-Kangas (2000, 280 ff, 735 ff) sowie Phillipson 1999.

(12) So der Slogan auf einem Informationsblatt der Deutschen Esperanto-Jugend.

(13) Vgl. die Diskussionsgruppe im Internet europa-esperanto-unio@egroups.com und die Web site zu Aktivitäten der Esperantisten im Europäischen Jahr der Sprachen http://www.groups.yahoo.com/group/Jaro-de-lingvoj-2001/links

(14) "NEIGHBOUR" ist die Abkürzung für New Educational Initiative Guaranteeing Heterogenity and Bilingualism, Observing Universal Rules. (Vgl. Oostendorp 1998.) Es basiert hauptsächlich auf den Prinzipien und Erfahrungen des "Sprachorientierungsunterrichts" nach dem "Paderborner Modell" von Frank/Lobin (1989).

(15) Das Projekt wurde ausgearbeitet von der "Arbeitsgruppe zum Sprachenproblem in der Europäischen Union" unter Leitung von Hans Erasmus (vgl. Erasmus 1999). Vgl dazu auch Salevsky 2000 und Schubert 2000.

(16) Vgl. http://www.eurolang2001.org

(17) Über Sprachprobleme in Euroregionen vg. Gellert-Nowak 1993.

(18) Auf dem Kongress "Sprachen und Kulturen - Wege zur Europäischen Identität" (15./16. März 2001) an der Humboldt-Universität zu Berlin.

(19) Vgl. auch Frank (1994,138), der allerdings gegen jede linguistische und interlinguistische Tradition das völlig tradierte Glottonym 'Esperanto' ablehnt und die Sprache Zamenhofs irreführend 'ILo (Internacia Lingvo)' oder etwas burlesk "Internacia Lingvo de Doktoro Esperanto" nennt.

(20) So wird in einer Entschliessung des Bundesrates über die Benachteiligung des Deutschen in der EU u.a. festgestellt:

"Dieser Zustand ist aus der Sicht des Bundesrates nicht länger hinnehmbar. Hinzuweisen ist darauf, dass der deutsche Sprachraum die bedeutendste Wirtschaftsregion in der Europäischen Union ist... In der deutschen Bevölkerung kann der Eindruck entstehen, dass die deutsche Sprache auf Gemeinschaftsebene nicht die Beachtung findet, die ihr als in der Europäischen Union am weitesten verbreitete Muttersprache zukommt. Unter dieser Zurücksetzung kann auch die Akzeptanz der Europäischen Union bei den Bürgerinnen und Bürgern in der Bundesrepublik Deutschland leiden... Fälle von Benachteiligungen des Deutschen müssen mit Nachdruck aufgegriffen werden. In jedem Einzelfall muss auf Beseitigung bestanden werden". (669. Sitzung des Bundesrates am 20.Mai 1994. In: Mitteilungsblatt für Dolmetscher und Übersetzer, 4-5/1994, S.- 40-41).

(21) Es sind immer beide Dolmetsch-Richtungen erforderlich, da in der Regel aus der Fremdsprache in die Muttersprache gedolmetscht wird. Das sind bei 11 offiziellen Sprachen 110 Dolmetschrichtungen.

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